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Frauen sind das Rückgrat der Landwirtschaft

Interview Part I mit Obfrau Barbara Riegler

11.03.2026, Interview

Im Rahmen „Das Jahr der BIOBäuerin“ rückt unsere Kampagne die Frauen am Hof in den Mittelpunkt – jene starken Persönlichkeiten, die oft hinter den Kulissen die Fäden ziehen, aber essenziell für das Funktionieren der Landwirtschaft sind. Wir sprechen mit Barbara Riegler, Obfrau von BIO AUSTRIA, über die Rolle der Frauen auf den Höfen, ihre Stärken, Herausforderungen und die Bedeutung weiblicher Stimmen in der Agrarpolitik. Ein Gespräch über Mut, Verantwortung und die Kraft, die Frauen in die bäuerliche Welt einbringen.

Obfrau Barbara Riegler & Kathi Vogl

Kathi: Wir möchten mit unserer Kampagne zum Jahr der BioBäuerin vor allem die Frauen am Hof ins Zentrum rücken. Warum ist diese Sichtbarkeit deiner Meinung nach so wichtig? 

Barbara Riegler: Die Höfe sind nicht per se nur Arbeitsplatz, sie sind ja eine richtige Lebens- und Arbeitswelt. Und Frauen können nicht nur auf eine Funktion reduziert werden. Am Hof ist man immer alles gleichzeitig: von der Wäscherin und Köchin bis zur Stallmeisterin und Nachschubbeschaffungsoffizier.  

Und Frauen sind ganz besonders – vielleicht durch diese viele Care-Arbeit, die auf den Höfen stattfindet – noch viel intensiver für das soziale Gefüge auf den Höfen zuständig. Auf vielen Nebenerwerbsbetrieben arbeiten die Männer tagsüber, während die Frauen die Wirtschaft schupfen. Ein gutes Beispiel ist auch die Nachkriegszeit, wo viele Frauen die Höfe bewirtschaftet haben, bis die Männer heimgekehrt sind. Also es hat immer Zeiten gegeben, wo sich Frauen um diese Betriebe gekümmert haben und das haben sie gut gemacht.  


Frauen sind das Rückgrat der Landwirtschaft!“ 
~ so Barbara Riegler, Obfrau von BIO AUSTRIA


Kathi: Du hast ja tagtäglich mit so vielen Frauen am Land zu tun. Was sind denn die Stärken, die Frauen oft am Hof einbringen? 

Barbara Riegler: Das ist recht schwierig zu verallgemeinern. Je nachdem, welche persönliche Stärken und Talente eine Frau mitbringt. Aber was Frauen insgesamt mitbringen auf die Höfe, das ist vor allem der Mut. Mut um Dinge auszuprobieren und um aus den gewachsenen Mustern auf den Höfen und Strukturen auszubrechen. Vor allem im Generationenkontext oft wirklich eine Herausforderung! 


Kathi: Aktuell ist die bäuerliche Interessensvertretung sehr stark männlich geprägt. Braucht es deiner Meinung nach mehr weibliche Stimmen in der Agrarpolitik? 

Barbara Riegler: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es ausgeglichen sein sollte, 50% Männer und 50% Frauen. Das tut gut, um die verschiedenen Blickwinkel einzubringen. Ja, wir haben auch in der Agrarpolitik sehr viel mehr Männer als Frauen und das finde ich wirklich schade! Ich bin überzeugt, wenn es uns gelänge, mehr Frauen zu motivieren, sich auch nach vorne zu trauen, um für ihre Interessen zu kämpfen, dann wäre das eine Bereicherung für alle! 

Kathi: Woran liegt es, deiner Meinung nach, dass sich die Frauen öfter so ein bisschen klein machen, sich nicht so in den Vordergrund stellen wollen, auch politisch gesehen? 

Barbara Riegler: Ich bin hier natürlich keine Expertin. Aber diese Care-Arbeiten auf den Höfen beansprucht viel mehr die Frauen, somit sind diese viel weniger abkömmlich auf den Höfen. Ich glaube, dass dieses traditionelle Gefüge in der Landwirtschaft noch sehr spürbar bzw. im historischen Kontext noch stark verankert ist. Aber es bricht auf und das ist gut und da leisten wir unseren Beitrag. 

Kathi: Und weil wir ja vom Jahr der BioBäuerin reden. Wie verhält es sich denn da mit dem Frauenanteil bei BIO Austria?  

Barbara Riegler: Ja, der ist sehr gut, das freut mich wirklich. Die Bundesgeschäftsführerin, Susanne Maier ist eine Frau, ich als Bundesobfrau bin eine Frau, meine Vorgängerin war eine Frau. Ich finde, dass das tatsächlich ein wichtiges Signal ist, nachdem ja so viele Höfe von Frauen bewirtschaftet werden. Es ist nur ein logischer Schritt, dass auch Frauen vorne sind und die Geschicke von Verbänden lenken. Ich glaube, das ist angebracht! 

Kathi: Wie schaut es denn bei dir am Hof aus mit der Arbeitsteilung? Stichwort Gleichberechtigung? 

Barbara Riegler: Natürlich könnte ich meinem Amt nicht nachgehen, wenn mein Sohn und mein Mann, mich zuhause nicht so tatkräftig ersetzen würden. Ich habe einen Vorzeigemann, was das betrifft. Aber ich glaube auch, dass wir Frauen das immer wieder ein Stück weit einfordern müssen. Ich merke selbst manchmal, wie wir noch in unseren Rollenbildern verhaftet sind. Beispiel: Ist der Geschirrspüler zum Ausräumen, neige ich schon mehr dazu, die Mädels einzuteilen. Aber es gelingt uns gut da auch dagegen anzusteuern. 

Kathi: Wenn es so einen Satz gäbe, den du jungen Biobäuerinnen mitgeben möchtest, welcher wäre das? 

Barbara Riegler: Seine persönlichen Stärken, das, woran man Freude hat und wofür das Herz schlägt – das sollte man nach Möglichkeit auch im Betrieb miteinbinden. Und diese Leidenschaft, diese Freude der nächsten Generation vorleben. Davon zehrt man und das macht auch jene Arbeiten leichter, die man im betrieblichen Alltag vielleicht nicht so gern erledigt.  


Das war nur der Anfang:
In den kommenden Wochen gibt Barbara Riegler noch mehr Einblicke – über den Biomarkt, die Zukunft der Landwirtschaft und warum BIO gerade jetzt so wichtig ist. Sei gespannt auf weitere inspirierende Gespräche mit einer Frau, die das Rückgrat der österreichischen Landwirtschaft verkörpert!


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